FEB 27, 2022

Drohnen-Lieferung von Blutkonserven in Ruanda

Problemstellung:

Gesundheit spielt in vielen Aspekten unseres Lebens eine wichtige Rolle. Vor allem aber in ländlicheren, ärmeren oder schwer zu erreichenden Gebieten hat die Gesundheit einen hohen Stellenwert. Dies ist auch in Ruanda der Fall. Nach dem Bürgerkrieg und Völkermord im Land, hat sich Ruanda in den 1990igern rasch weiterentwickelt und modernisiert. Neben dem Schwerpunkt der Verbesserung der technologischen Infrastruktur, hat die ruandische Regierung vor allem in die Gesundheitsversorgung stark investiert und für eine Modernisierung der Gesundheitseinrichtungen gesorgt. Doch nicht die bauliche Infrastruktur ist das Problem, sondern die Straßen, die zu ihnen führen. So stellen die ruandischen Straßen ein großes Thema für die Gesundheitseinrichtungen dar, die dringend auf medizinische Grundversorgung angewiesen sind. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist das Gelände in Ruanda sehr hügelig und anspruchsvoll. Zweitens sind die Verkehrsbedingungen auf Ruandas Straßen ungünstig für den Transport medizinischer Hilfsgüter mit Bodenfahrzeugen. Der Verkehr auf den Autobahnen ist dank der schwerfälligen Lastwagen oft langsam, und die Straßen in den ländlichen Gebieten sind entweder nur notdürftig oder gar nicht asphaltiert. Infolgedessen kann sich der Transport von medizinischen Hilfsgütern auf Ruandas Straßen durch verstopfte Hauptstraßen oder schwer befahrbare Schotterpisten stark verzögern. In Notsituationen können 5 Stunden vergehen, bis ein Krankenhaus die notwendige Blutlieferung erhält, was für den Patienten den Tod bedeuten kann.

Lösungsansatz: Lastendrohnen

Eine Lösung für dieses Problem ist der Transport medizinischer Hilfsgüter mittels Lastendrohnen aus der Luft. Eine Strecke von 50 Kilometern in Ruanda kann eine Stunde Fahrzeit bedeuten. Im Vergleich dazu kann eine Drohne die gleiche Strecke in weniger als 14 Minuten zurücklegen. Das in Kalifornien ansässige Unternehmen Zipline hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Problem in Ruanda anzugehen, indem es die Lieferung von medizinischen Hilfsgütern in Gebiete mit schlechter Infrastruktur durch On-Demand-Lieferungen per Drohne löst. Das Unternehmen hat in Ruanda zwei Zentren, so genannte "Nester", eingerichtet, von denen aus 25 Krankenhäuser und Kliniken im ganzen Land mit Blutkonserven versorgt werden können. Zu diesem Zweck setzt Zipline speziell konstruierte Fixed-Wing Drohnen („Zips“) ein, die für die Lieferung von Blut entwickelt wurden. Dadurch kann die Lieferung einer Blutkonserve auf eine halbe Stunde oder weniger verkürzt werden.

Benötigt eine Gesundheitseinrichtung Blut, kann dieses zum Beispiel per Webseite, WhatsApp oder SMS bestellt werden. Daraufhin wird die Blutkonserve von einem Zipline Mitarbeiter in eine Polsterung mit angehängtem Fallschirm eingewickelt und in der Drohne verstaut. Bevor die Drohne abheben kann, wird über eine Smartphone-App eine Checkliste abgearbeitet. Sobald Zipline von der ruandischen Zivilluftfahrtbehörde die Flugerlaubnis erhalten hat, wird die Drohne mit einem 13 Meter langen elektrischen Katapult in die Luft geschossen. In der Luft steuerte die Drohne autonom das Ziel an. Wenn die Fixed-Wing Drohne das Ziel erreicht hat, wird ein Mitarbeiter der Gesundheitseinrichtung benachrichtigt, dass die Blutlieferung am Ziel angekommen ist. Daraufhin wirft die Drohne ein kleines Paket mit der Blutkonserve ab, die mit dem Fallschirm zu Boden fällt. So ist es möglich, 20 bis 30 Blutlieferungen pro Tag durch Drohnen durchzuführen und sie in bis zu 80 km entfernte Regionen zu bringen. Eine Problematik hierbei ist noch, dass die Drohnen nur eine Nutzlast von 1,3kg tragen können, welches ungefähr zwei Blutkonserven entspricht.

Quelle:

Ackerman, E., & Koziol, M. (2019). The blood is here: Zipline's medical delivery drones are changing the game in Rwanda. IEEE Spectrum, 56(5), 24-31. DOI: 10.1109/MSPEC.2019.8701196

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